Über 335 Patienten: Bürgerinitiative diskutiert Überbelegung
Die LWL-Klinik für forensische Psychiatrie in Eickelborn ist voll belegt. Die Obergrenze von durchschnittlich 335 Patienten konnte 2025 erstmals nicht eingehalten werden. Für die Bürgerinitiative „Sicherheit vor Therapie“ ist die Situation unbefriedigend.
Die Nachricht erreichte die Bürgerinitiative im Sommer 2025 bei einem Besuch im Gesundheitsministerium: Damals erklärten Ministerialrätin Birgit Szymezak und Staatssekretär Matthias Heidmeier, dass die LWL-Klinik für forensische Psychiatrie in Eickelborn erstmals über ihrer vereinbarten Obergrenze belegt ist (wir berichteten).
2025 lag die durchschnittliche Patientenzahl bei 341,7 – und damit über den vorgesehenen 335 Plätzen. Aktuell sind 337 Patienten untergebracht, zwei mehr, als es die Eickelborner Vereinbarung von 2013 vorsieht. „Wir müssen überlegen, wie wir damit umgehen“, sagte BI-Vorstandsmitglied Franz Knust bei der Mitgliederversammlung.
Auch die Stadt Lippstadt kritisiert die Kommunikation mit dem Land Nordrhein-Westfalen. „Wir haben keine schriftliche Information über die Überbelegung erhalten – befremdlich“, sagte Iris Faulhaber, Fachbereichsleiterin Familie, Schule und Soziales. Erst auf mehrfache Nachfrage gab das Ministerium eine Erklärung: Die Überbelegung sei auf höhere Zuweisungen, beste Sicherheitsstandards in Eickelborn und einen Brand in der forensischen Klinik Bedburg-Hau zurückzuführen. Gleichzeitig habe das Ministerium versichert, dass sich die Sicherheitslage in Eickelborn nicht verschlechtere. Eine Rechtsgrundlage, Zuweisungen des Landes an die Forensik zu verhindern, habe die Stadt nicht: „Wir können nur versuchen, unsere Interessen zu platzieren“, sagte Faulhaber. Unter anderem habe sich Alexander Tschense kürzlich mit dem Ministerium über die Situation ausgetauscht.
Bernd Wallenstein, ärztlicher Direktor der LWL-Forensik, betonte, dass alle Patienten weiterhin hinter der Sicherheitsanlage untergebracht seien. Die Gefahr liege mehr im Inneren der Klinik. „Die Menschen sind so krank, dass sie kaum ihr Zimmer verlassen können.“
Zur „erheblichen Entlastung“ soll, so Wallenstein, ab 2027 der Neubau der LWL-Forensik in Lünen mit 150 Behandlungsplätzen beitragen. Dort werden ab Januar zunächst 36 Plätze belegt.
Anwesende formulierten deutlich, wie wichtig ihnen die Zusage des Landes ist, die Obergrenze einzuhalten – auch für die Akzeptanz und das Vertrauen im Ort. „Maßvoll über unsere Köpfe hinweg gesprengt. Das ist unerträglich“, kommentierte etwa Dirk Klapetz.
Darüber hinaus stellte sich in der Versammlung die neue Bezirksbeamtin Polizeihauptkommissarin Andrea Biermeier vor (Bericht folgt). Sie übernimmt den Bezirksdienst von Reinhold Bracht.
Franz Knust informierte über die neue Internetseite der BI (www.BI-Eickelborn.de). Dort stellt die Initiative „relevante und aktuelle Informationen klar und zugänglich bereit“; zum Beispiel Kontaktdaten (etwa der Polizei).
Auch Vertreterinnen der Bürgerinitiative Sicherheit vor Therapie aus Münster-Amelsbüren waren dabei: Sie berichteten unter anderem über ihre Erfahrungen mit der BI-Arbeit und von einem Fall, wonach dort ein Sexualstraftäter bereits im September aus der Forensik (in Trägerschaft der Alexianer) verschwunden war, die Öffentlichkeit jedoch erst Monate später darüber informiert wurde.
Der Vorstand
Bei den Wahlen wurde Katrin Hüsten als Vorstandsmitglied im Amt bestätigt. Hubert Niehaus bleibt Kassenprüfer. Franz Knust ist der neue Schriftführer. Er folgt auf Werner Müsch, der das Amt mehr als 30 Jahre innehatte. Komplettiert wird das Vorstandsteam von Nine Meinert und Rainer Ziebeil. Beisitzer sind Ines Meincke, Tina Funke und Tobias Lipperheide. Als Beisitzerin neu dabei ist Anna-Lena Sommer.
Vorstand und Beisitzer der Bürgerinitiative „Sicherheit vor Therapie“: (v.l.) Hubert Niehaus, Nine Meinert, Katrin Hüsten, Franz Knust, Rainer Ziebeil, Tobias Lipperheide, Tina Funke, Ines Meincke und Anna-Lena Sommer.
Quelle: Der Patriot
Beitrag vom 21.03.2026
Web: https://www.derpatriot.de/

